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Fakten

Raucherentwöhnung: Fakten

Zigaretten sind mit Alkohol das häufigste Suchtmittel der Deutschen, vor allem aber mit Abstand das gefährlichste. Rauchen ist der Gesundheitskiller schlechthin. Kaum ein Organ, wird nicht vom Rauch angegriffen. Lungenkrebs, Herzinfarkt, Schlaganfall: Die Liste der Krankheiten, die durch Zigarettenrauch mit verursacht oder ausgelöst werden ist unendlich lang. Zwar sind starke Raucher einem größeren Risiko ausgesetzt als Gelegenheitsraucher, aber auch der „Genuss“ von nur zwei Zigaretten täglich ist so gefährlich, dass er schwerwiegende Krankheiten verursachen kann. Geschätzte 111.000 Menschen sterben jährlich in Deutschland bedingt durch die Folgen des Tabakkonsums. Das sind 365 Todesopfer täglich.

 

Tabak-Abhängigkeit

Rauchen macht schnell abhängig. Denn Nikotin gilt als eines der stärksten Suchtgifte. Viele Experten bescheinigen dem Nervengift ein höheres Suchtpotenzial als Cannabis, Alkohol oder Heroin. Mit jedem Zug erhält der Körper etwa ein Milligramm dieses Nervengifts. In weniger als sieben Sekunden gelangt das Nikotin direkt ins Belohnungszentrum des Gehirns. Dort löst es eine ganze Kaskade von Wohlgefühlen aus. Der Botenstoff Dopamin bewirkt einen rauschhaften Glückszustand, vergleichbar mit dem Gefühl, frisch verliebt zu sein. 
 
Spätestens zwei Stunden nach der letzten Zigarette meldet sich das Gehirn und verlangt nach dem nächsten Nikotinschub. Neben der Nikotinsucht führt Rauchen auch zu einer seelischen Abhängigkeit. Rauchergehirne haben gelernt, Nikotin mit guten Gefühlen und einer erhöhten Konzentrationsfähigkeit zu assoziieren. Viele brauchen immer wieder das Ritual des Rauchens, die lockere Atmosphäre, die gute Stimmung bei der gemeinsamen Zigarette. Die Diagnose „Tabakabhängigkeit“ kann nach dem Internationalen Krankheitskriterien-Katalog (ICD-10) dann gestellt werden, wenn drei der folgenden sechs Kriterien erfüllt sind:

  • Toleranzentwicklung (zunehmend höhere Dosen erforderlich)
  • Körperliche Entzugserscheinungen bei Beendigung oder Einschränkung des Tabakkonsums
  • Starker Drang, Tabak zu konsumieren
  • Keine volle Kontrolle über Beginn, Beendigung und Menge des Konsums
  • Zunehmende Vernachlässigung anderer Aktivitäten zugunsten des Tabakkonsums

 

Anhaltender Konsum trotz Bewusstsein über die schädlichen Folgen.

 

 

Autor:Annegret Steinkamp, Tanja v. Ungern-Sternberg

Datum:02. September 2008

Entwöhung

Entwöhnung

Es gibt gute Gründe mit dem Rauchen aufzuhören:

 

  • Gesundheit: So sehr der Körper unter Zigarettenqualm leidet, so versöhnlich ist er, wenn er keinen Rauch mehr abbekommt. Schon 20 Minuten nach dem Stopp sinken Puls- und Blutdruck. 24 Stunden später nimmt das Herzinfarktrisiko allmählich ab, nach einem Jahr ist es nur noch halb so groß. Nach 15 Jahren hat der Ex-Raucher (fast) alle Schäden überwunden, die er sich durch den Tabak-Missbrauch zugefügt hat.
  • Kinderwunsch:Tabakqualm ist auch schuld daran, wenn es mit dem Kinderwunsch nicht klappt. Zum einen ist Rauchen ein Hauptgrund für Impotenz bei Männern, zum anderen ist Tabakrauch schädlich für die Spermienproduktion. Raucher weisen deshalb mehr missgebildete und geschädigte Spermien sowie eine geringere Spermienqualität als Nichtraucher auf. Auch Raucherinnen müssen meist länger darauf warten, bis sie schwanger werden. Sie sind doppelt so oft unfruchtbar wie Nichtraucherinnen.
  • Finanzen: Mindestens rund 1400 00 Euro spart man pro Jahr, wenn man das Geld für die tägliche Packung Glimmstängel nicht ausgibt. Viele Raucher suchen Wege, billiger zu rauchen, indem sie von der teuren Markenzigarette auf die Zigaretten vom Discounter umsteigen. Viele Umsteiger kehren jedoch oft zur bisherigen Marke zurück. Grund für die Markentreue sind die bis zu 600 großteils giftigen Zusatzstoffe, die die Tabakindustrie in ihre Rauchprodukte mischt, um ihre süchtigen Kunden bei der Stange zu halten. Die Liste, die auf den Seiten des Verbraucherschutzministeriums veröffentlicht wurde, reicht von Ammoniak bis Vanillin. Ammoniak beispielsweise sorgt dafür, dass Nikotin vom Körper schneller und in größerem Umfang aufgenommen wird. Fehlt dieser "Suchtmittel-Turbo" in der Billigmarke, kann es gut sein, dass man bald wieder bei der teuren Sorte landet.

 

Die Experten sind sich einig: Der erste und wichtigste Schritt weg von der Zigarette findet im Kopf statt. Der feste Entschluss, mit dem Rauchen aufzuhören, steht am Anfang jedes erfolgreichen Entzugs. Die Gründe für diesen Entschluss sind zweitrangig. 

 

Heute gibt es eine ganze Menge Hilfsmittel, die den Weg zum Nichtraucherdasein wesentlich erleichtern. Viele wählen bei den ersten Versuchen die billigste - da völlig kostenlose - Schlusspunktmethode. Die Erfolgsquote wird von Experten allerdings nur mit fünf Prozent geschätzt. Den größten Erfolg haben Entwöhnungsprogramme, die medikamentöse und verhaltenstherapeutische Maßnahmen miteinander kombinieren.

 

 

Autor: Annegret Steinkamp, Tanja v. Ungern-Sternberg

Datum: 02. September 2008

Nikotinersatz

Raucherentwöhnung: Nikotinersatz

Viele Entwöhnungsexperten raten, für die harte Phase des körperlichen Entzugs (etwa drei bis sieben Wochen) Nikotinersatzpräparate zu verwenden. Die gibt es in Form von Pflastern, Kaugummis und Sprays. Für leichte Raucher (bis etwa zehn Zigaretten täglich) reichen Nikotinkaugummis, die gekaut werden, wenn das Verlangen nach dem Glimmstängel übermächtig wird. 

 

Für starke Raucher empfiehlt sich ein Nikotinpflaster, das seinen Wirkstoff kontinuierlich durch die Haut abgibt. Für Extremsituationen benutzt der Süchtige zusätzlich zum Pflaster ein Nasenspray, das unmittelbar seine Wirkung tut. Vorsicht: Ein Zuviel an Spray kann gefährlich werden. Übrigens: Welchen Namen das Mittel trägt, ist gleichgültig. Die Erfolgsquote liegt zwischen 18 und 30 Prozent.

 

Medikamente zur Unterstützung

Pharmafirmen arbeiten seit Jahren an neuen Wirkstoffen, welche die Sucht im Gehirn überwinden sollen. Ob die chemischen Formeln beim Zigarettenverzicht funktionieren, ist bisher nur teilweise bewiesen. Für die Entwöhnungsphase gibt es folgende Mittel:

 

  • Pillen gegen das Rauchen: Seit etwa zehn Jahren wird das Präparat ZYBAN zur Raucherentwöhnung eingesetzt. Zybanenthält den Wirkstoff Bupropion, eigentlich ein Mittel gegen Depressionen. Diese Substanz ahmt die Wirkung von Nikotin im Gehirn nach und macht deshalb den Griff zum Glimmstängel unnötig. Zyban wird mit einer ganzen Reihe von erheblichen Nebenwirkungen in Verbindung gebracht, wie zum Beispiel Bluthochdruck, Herzrasen, Schwindel und Angstzustände. Weltweit gab es sogar einige Todesfälle. Zyban ist verschreibungspflichtig und darf nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden. Eine Monatsration kostet circa 75 bis 150 Euro. Die Kosten werden von den Krankenkassen nicht übernommen. Die Erfolgsquote soll etwa bei 18 bis 30 Prozent liegen. Seit dem 1. März 2007 gibt es eine neue Pille mit ähnlicher Wirkung, das Präparat Champix. Der darin enthaltene Wirkstoff Vareniclin dockt im Gehirn an dieselben Rezeptoren an wie Nikotin, das vermindert die Entzugssymptome und der stimulierende Effekt beim Rauchen bleibt aus. Erste Studien mit dem neuen Präparat zeigen beachtliche Erfolgsquoten, vergleichbar mit denen  einer Verhaltenstherapie. Jeder vierte Raucher hatte unter Champix mit dem rauchen aufgehört. Champix soll besser verträglich und besser wirksam als Zyban sein, kann aber auch beträchtliche Nebenwirkungen wie Übelkeit und starke Stimmungsschwankungen haben. Es ist ebenfalls verschreibungspflichtig, eine zwölf wöchige Therapie kostet etwa 330 Euro

 

  • „Rauchfrei im Schlaf werden“ verspricht die Detox-N-Methode. Entwickelt wurde sie von dem Anästhesieprofessor Wolfgang Kox. Bei DETOX handelt es sich um eine Mischung sogenannter anticholinerger Medikamente, die z.B. beim Drogenschnellentzug auf der Intensivstation benutzt werden. Diese Substanzmischung soll die Nikotinbindenden Rezeptoren im Zentralnervensystem regelrecht "frei waschen", so dass die Rezeptoren in kürzester Zeit wieder ihren „Urzustand“, vor Beginn des Rauchens, annehmen. Diese Theorie sowie die von Kox angegebene Erfolgsquote von 78 Prozent bezweifeln Experten allerdings. „Obskur“ nennen andere Suchtexperten die Methode und sagen „Da hat jemand seinen Pharmakologie-Grundkurs vergessen.“ DETOX wird in einer Injektion verabreicht, eine halbe Stunde danach bekommt der Raucher eine Spritze mit Beruhigungsmitteln, die ihn für etwa zehn Stunden in eine Art Heilschlaf versetzt. Der dritte Teil der Behandlung besteht aus Tabletten, die zehn Tage lang eingenommen werden. Sie blocken die Stresshormone. Diese Methode wird in Deutschland in etwa 15 Kliniken bzw. Praxen angewandt und kostet zwischen 450 bis 750 Euro. Der Patient muss die Therapie aus eigener Tasche bezahlen.

 

 

Autor: Annegret Steinkamp, Tanja v. Ungern-Sternberg

Datum: 02. September 2008

Therapien

Raucherentwöhnung: Verhaltenstherapie

Verhaltenstherapeutische Methoden weisen die höchsten Erfolgsquoten auf. Meistens werden solche Nichtraucherkurse als Gruppentherapie angeboten, der Entzug erfolgt langsam und schrittweise. Der Süchtige entwickelt dabei Strategien, wie er mit Rückfallsituationen fertig werden kann.

 

Alternative Entwöhnungsmethoden

 

  • Akupunktur: Nach dem alten chinesischen Verfahren stechen Akupunkteure in der Regel drei Nadeln in die Suchtpunkte des Ohres. Dort verbleiben sie eine Zeit lang. Die Akupunktur dämpft beim Raucher die Gier nach der Zigarette und mildert die Entzugserscheinungen. Unangenehme Entzugserscheinungen wie Reizbarkeit oder Aggressivität sollen bei dieser Methode deutlich seltener auftreten. Einige Raucher reagieren auf das Nadeln schnell und heftig, andere nur zaghaft, und manchen hilft es gar nicht. Dauernadeln können einige Tage im Ohr bleiben. Kostenpunkt: 30 bis 60 Euro pro Anwendung (2- bis 6-mal), die Krankenkassen zahlen in der Regel nichts.
  • Hypno-Therapie: Bei der Hypnose versetzen die Therapeuten die Raucher in Trance. Dabei wirken sie auf das Unterbewusstsein der Menschen ein. Im ersten Schritt sollen typische „Rauchsituationen“ analysiert, im nächsten Schritt gedankliche Alternativen gefunden werden. Die Hypnose sollte mehrere Sitzungen dauern, die Kosten werden von den Kassen nicht übernommen.

 

Impfung gegen das Rauchen

Forscher aus der Schweiz, aus den USA und aus Großbritannien arbeiten einem Impfstoff gegen Nikotinsucht. Große klinische Studien wurden bereits erfolgreich durchgeführt. Nach der Impfung bildet der Körper von Rauchern Antikörper gegen Nikotin. Diese Antikörper fangen das Nikotin im Blut ab und verhindern dadurch die Aufnahme des Suchtstoffes im Gehirn. Der Impfschutz muss alle drei Monate aufgefrischt werden. Bis der Impfstoff allerdings den Markt kommt, dauert es noch mindestens bis ins Jahr 2010.

 

Kostenübernahme

Die gesetzlichen Krankenkassen haben Kriterien festgelegt, nach denen Seminare oder Methoden der Tabakentwöhnung finanziell übernommen werden. Sie unterstützen Angebote, die auf Stärkung der Motivation setzen, denn die sind nach den gängigen wissenschaftlichen Belegen am erfolgversprechendsten. Ein Kriterium, das so ein Angebot erfüllen muss, ist zum Beispiel, dass die Kursleiter eine psycho-sozialen Grundausbildung haben. Alle alternativen Tabakentwöhnungsmethoden wie zum Beispiel Akupunktur oder Hypnose werden nicht übernommen. Denn es gibt zu wenige Beweise der Wirksamkeit dieser Methoden. Auch Nikotinersatzpräparate werden nicht erstattet. In einem gemeinsamen Ausschuss von Ärzten und Krankenkassen wurde festgelegt, dass die wissenschaftlichen Beweise nicht ausreichend sind.

 

 

Weitere Informationen 

 

Raucherambulanz der TU Dresden

 

WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle im Deutschen Krebsforschungszentrum, Heidelberg

 

Arbeitskreis Raucherentwöhnung der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Tübingen

 

Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft Raucher-Entwöhnung und Gewichtsreduktion e.V. (WAREG), Berlin

 

Autor: Annegret Steinkamp, Tanja v. Ungern-Sternberg

Datum: 02. September 2008

Überarebitet: 06. Juli 2009

Quellen: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (Stand Juli/2009)

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Stand Juli/2009)

Kolte, B.: Rauchen zwischen Sucht und Genuss. VS Verlag, Wiesbaden  2006

Haustein, K.O.; Groneberg, D.: Tabakabhängigkeit: Gesundheitliche Schäden durch das Rauchen. Springer, Berlin 2008

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Rauchen in der Schwangerschaft

Wie gefährlich ist Rauchen für Ihr Baby? Sehen Sie hier außerdem, wo Sie Hilfe für den Entzug bekommen.


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