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Ursachen

Ursachen

 

Zusammenhang von Rückenschmerzen und Psyche

Menschen vor „Gram gebeugt“, mit „gebrochenem Rückgrat“ oder „angeschlagenem Kreuz“: Lange vor der Schulmedizin wusste der Volksmund, dass die Seele auch im Rücken wohnt. Warum manche Menschen mit erhöhter, schmerzhafter Anspannung der Rückenmuskulatur reagieren, ist noch unklar - klar ist aber, dass schlechte Nachrichten und Rückenbeschwerden eng zusammenhängen. 

 

Was der Kopf nicht verarbeiten kann, lädt er im Rücken ab. Depressionen und Angstzustände sind die häufigsten Ursachen für chronische Rückenschmerzen. Wie eng der Zusammenhang zwischen Psyche und Schmerz ist, zeigt sich auch in der Tatsache, dass über 80 Prozent aller Rückenschmerzen innerhalb von sechs Wochen abklingen und zwar ganz unabhängig von der Art der Behandlung. Damit haben Rückenschmerztherapien eine der höchsten Placebo-Raten in der Medizin.

 

Rückenschmerzpersönlichkeit

Immer wieder wird vermutet, dass Menschen mit Rückenbeschwerden charakteristische Persönlichkeits- beziehungsweise Verhaltensmerkmale aufweisen, die die Entstehung von Rückenschmerzen begünstigen. Bislang ist es zwar noch nicht gelungen, empirisch eine  "Rückenschmerzpersönlichkeit" zu definieren, dennoch haben sich in Studien bestimmte Verhaltensweisen gezeigt, wie "zu hoher Leistungsanspruch", "übertriebene Hilfsbereitschaft" und "mangelnde Konfliktfähigkeit". Der typische Rückenschmerz-Patient neigt demnach zu sogenannten Durchhaltestrategien. Das heißt, er will trotz Schmerzen alle Aktivitäten erst mal zu Ende zu bringen und beißt lieber die Zähne zusammen, als sich helfen zu lassen. Bei solchen Patienten ist es nötig, neben dem Rückgrat auch die Seele wieder zu stärken.

 

Schmerzgedächtnis

Durch lang anhaltende oder extrem starke Schmerzreize kann das Schmerzleitungs- und Schmerzverarbeitungssystem dauerhaft verändert werden. Die Reize hinterlassen dann Spuren im Nervensystem und machen es sensibler für nachfolgende Schmerzreize.  Das Schmerzempfinden „brennt“ sich regelrecht in die Nervenbahnen ein. Man spricht von einem Schmerzgedächtnis. Schmerzreize werden verstärkt übertragen, so dass selbst Berührungen als schmerzhaft empfunden werden können. Zudem werden dauerhaft spontane Nervenimpulse ausgesendet, die als Schmerzen empfunden werden. Der Schmerz ist chronisch und damit zu einer eigenständigen Erkrankung geworden. 

 

Diese sogenannte Schmerzkrankheit kann oft schlimmer als die Grunderkrankung sein, die den Schmerz ausgelöst hat. Durch eine frühzeitige und ausreichende Schmerzbehandlung kann vermieden werden, dass der Organismus diese dauerhafte Steigerung des Schmerzempfindens ausbildet.

 

 

Autor: Annegret Steinkamp

Datum: 13. Januar 2009

Behandlung Körper

Behandlung

Ein Hauptproblem bei Patienten mit Rückenschmerzen ist das so genannte Vermeidungsverhalten. Die Betroffenen haben Angst davor, sich zu bewegen - denn Bewegungen lösen Schmerzen aus. Sie glauben, sich lieber schonen zu müssen - und damit beginnt ein folgenschwerer Teufelskreis - denn wer sich nicht bewegt, bekommt die Schmerzen erst recht nicht in den Griff. Wenn die akute Schmerzphase vorüber ist, muss die Devise daher lauten: Frühzeitig mobilisieren, den Teufelskreis zu durchbrechen. Wenn die Beschwerden länger als drei Monate anhalten oder immer wiederkehren, spricht man von chronischem Schmerz. Dann hilft nur noch eine intensive Schmerztherapie.

 

  • Konservative Therapie: Unter konservativer Therapie versteht man in der Akutphase die Gabe von Schmerzmitteln und Ruhigstellung (Stufenlagerung). Sobald die Schmerzen es zulassen, kommen Physiotherapie und Bewegung dazu. Viele Patienten haben allerdings nicht die Geduld für eine konservative Therapie, die einige Monate dauern kann. Dabei hat sich gezeigt, dass diese Art der Behandlung am besten die Selbstheilungskräfte des Körpers unterstützt. Sinn aller physikalischen Maßnahmen (z.B. Wärme- oder Kältebehandlung) ist es, den Körper zur Ausschüttung schmerzhemmender Stoffe anzuregen. Mit elektrischen Stromimpulsen, wie beim TENS-Verfahren, gelingt es außerdem, die Muskulatur zu lockern und die Durchblutung zu fördern.

 

  • Operation : Anstatt auf den Erfolg der konservativen Therapie zu vertrauen, greifen noch immer viele Ärzte schnell zum Skalpell. Und auch die Patienten verlangen schnelle Erfolge, obwohl ihnen damit keineswegs immer gedient ist. 15 Prozent geht es nach der herkömmlichen Bandscheiben-Operation sogar schlechter als zuvor. Fatal wird es immer dann, wenn zwischen Röntgenbild und Schmerzsymptomen ein Zusammenhang hergestellt wird, den es gar nicht gibt. Im Röntgenbild zeigt sich bei vielen Menschen eine abgenutzte Wirbelsäule. Das bedeutet nicht zwangsläufig: Beschwerden. Wird trotz unklarer Diagnose operiert, bedeutet dies für den Patienten oft den Einstieg in eine langwierige Operationskarriere. Verantwortungsbewusste Ärzte greifen nur zum Skalpell, wenn der Patient bereits unter Lähmungserscheinungen der Beine oder des Blasen-Mastdarm-Bereichs leidet.

 

 

Autor: Annegret Steinkamp

Datum: 13. Januar 2009

Behandlung Psyche

Therapie seelisch bedingter Rückenschmerzen

Nicht nur der Rücken, auch die Seele muss betreut werden. Und - die Lösungsansätze müssen individuell und vielseitig sein. Am besten funktioniert eine enge Zusammenarbeit von Orthopäden, Neurologen, Physiotherapeuten, Akupunkteuren, Masseuren und Psychologen (multimodales Konzept). Niedergelassene Ärzte können so ein breites Behandlungsspektrum nur selten anbieten. 

 

Die „Bundesarbeitsgemeinschaft Chronischer Kreuzschmerzen“ hat sich zum Ziel gesetzt, ein ambulantes Programm zur Behandlung von Rückenschmerzen an zertifizierten Behandlungszentren in ganz Deutschland zu etablieren. Entscheidend ist dabei, dass Mediziner, Physiotherapeuten, Verhaltensmediziner und Psychologen die Patienten gemeinsam und nicht nacheinander betreuen - entweder in einem Netzwerk einzelner Praxen oder gemeinsam in einem Therapiezentrum oder an einer Klinik. Das ambulante Programm dauert vier Wochen in jeweils kleinen Gruppen von fünf bis sieben Patienten. Das Angebot umfasst: Spezielle Krankengymnastik, Schmerzbewältigungstechniken, Verhaltensstrategien und gruppentherapeutische Gespräche. Ziel ist es, dass der Betroffene seine Selbstständigkeit wieder erlangt und er aus dem Teufelskreis von Schmerz, Anspannung und Angst herauskommt.

 

  • Verhaltenstherapie: In der Verhaltenstherapie lernen die Betroffenen nicht nur den aktiven Umgang mit dem Schmerz, sondern auch, wie sich ihre eigenen Handlungen positiv oder negativ auf den Körper auswirken. Viele müssen dabei erst wieder lernen, ihren Körper bewusst wahrzunehmen. Wichtige Hilfsmittel sind Entspannungsübungen und Biofeedback. Dabei ist der Patient über Elektroden mit einem Computer verbunden. Herzschlag, Blutdruck, Muskelspannung und andere Messdaten werden vom Computer in Töne und Bilder verwandelt. Wenn der Patient sich entspannt, kann er das durch die veränderten Signale direkt verfolgen und nach einem Lernprozess willentlich beeinflussen. So lernt er, durch welches Verhalten er sich am schnellsten entspannt, später auch ohne Computer.

 

  • Hypnose: Hypnose wird bereits seit mehr als 200 Jahren von Medizinern bei der Behandlung von akuten und chronischen Schmerzen eingesetzt. Teilweise wird Hypnose mit einer Verhaltenstherapie kombiniert. In Studien konnte gezeigt werden, dass sich vor allem chronische Schmerzen mittels Hypnose deutlich verringern lassen. Allerdings zeigte sich auch, dass etwa zehn bis 15 Prozent aller Patienten nicht auf eine Hypnosetherapie ansprechen.

 

  • Akupunktur: Anscheinend zeigt Akupunktur bei vielen  Patienten eine gute Wirkung, für einen eindeutigen wissenschaftlichen Nachweis sind aber weitere Studien nötig.

 

 

Weitere Informationen

 

 

Online Informationen der Deutschen Schmerzliga e.V.

Online-Informationen der  Aktion Gesunder Rücken e.V.

Online-Informationen des Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie e.V.

Online-Informationen der Bundesarbeitsgemeinschaft Chronischer Kreuzschmerz, Therapiezentrum Koblenz

 

 

Autor: Annegret Steinkamp

Datum: 13. Januar 2009

Quellen: Grönemeyer, D.: Mein Rückenbuch. Das sanfte Programm zwischen High Tech und Naturheilkunde. Zabert Sandmann, München 2008

Weber, F.: Nie wieder Rückenschmerzen. Rohwolt, Reinbek 2003

 

Rücken und Psyche;Rücken;Rückenschmerzen;Schmerzen;Verspannungen